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Einführung in die Kabbalah von Peter Staaden
« am: So., 21. Oktober 2018, 09:02 »
Vorweg muss gesagt werden, dass die authentische Kabbala keinerlei Verbindung mit Esoterik, Magie oder Okkultismus hat. Das einzig Geheime oder Verschlossenen (Mystische) an der Kabbala ist das intime Verhältnis, das jeder Mensch zum Schöpfer aufbauen sollte.
Trotzdem wurde und wird die Kabbala immer wieder neu missbraucht und falsch weitergegeben.

Grundsätzlich kann die Kabbala nicht dabei helfen, die geistigen Kräfte dem eigenen Wohlergehen des Menschen unterzuordnen und anzupassen. Doch fast immer wird dieser Grundsatz aus Mangel an Weisheit nicht beachtet, denn der Weg der Masse ist breit, und er führt ins Verderben.

Die vielen Personen, die Zauberkunststücke, Heilungen, oder gar einen "Schutz" erwarten, die durch Meditationstechniken, Zahlenmagie oder materielle Dinge etwas zu Gunsten eigener Vorstellungen mit der Kabbala bewegen möchten, sollten verstehen lernen, dass dies nicht in der Kabbala vorzufinden ist. Stattdessen eröffnet die Kabbala die Möglichkeit, eine schwierige innere Arbeit an sich selbst zu erlernen.

Die Kabbala geht dabei vor, wie eine Wissenschaft, nur auf einer wesentlich höheren Stufe. Die uns vertraute materielle Wissenschaft beschäftigt sich mit der Welt, die wir mit unseren fünf Sinnen begreifen, während die Kabbala die Wissenschaft ist, welche die Welt untersucht, die nur mittels des 6.Sinnes begriffen werden kann, der die Seele genannt wird. Kurz gesagt: Kabbala ist die Weisheit der Seele.

Alle Religionen gründen sich überwiegend auf Dogmen, Traditionen und Zwängen. Sie machen keine kritischen Nachforschungen oder stellen ihre Doktrin in Frage. Weiterhin sind sie nicht in der Lage, das Unantastbare und Unaussprechliche zu untersuchen. Die Kabbala hingegen öffnet dem Menschen die spirituellen Welten. Dies erlaubt ihm die Gesamtheit aller Welten, die hinter ihm liegenden Grenzen seiner Wahrnehmungsmöglichkeit, sowie die Begrenzungen seines Wissens zu erfassen. So kann die Kabbala auch ein Bindeglied zum tieferen Verständnis der Religion werden.

Die authentischen Schriften der Kabbala sollten nicht gelesen werden, um sie nur vom Intellekt verstehen zu wollen. Vielmehr ist die Aufgabe, sich an G-tt im Glauben zu binden und das Staunen wieder zu erlernen, ohne Beurteilung in sich einfließen zu lassen wie Er alles geschaffen hat. Selbst wenn ein Leser von den authentischen Texten, die vom Niveau sehr unterschiedlich sind, kein einziges Wort versteht, wird das "Or Makif" (das umgebende g-ttliche Licht) durch das Wort auf ihn scheinen, ihn heimsuchen, die Schalen um sein Herz erleuchten und versuchen den Punkt im Herzen zu erweitern. So wird ein Sucher (durch bewusste ehrliche Bemühung) oder so (durch Freuden und Leiden) spirituellen Fortschritt erreichen.

Die kausale Methodik spielt in der Kabbala an aller letzter Stelle eine Rolle. Der technische Aspekt ist nicht wichtig, sondern nur das Innere, die Seele. Die Kabbala ist daher nicht nur eine Wissenschaft, so wie es äußerlich betrachtet für ein bestimmtes spirituelles Niveau erscheinen kann, sondern eine Kunst des Herzens und des Liebens. Sie erfordert, um richtig erfasst zu werden, eine ganz bestimmte "Fähigkeit des Herzens", die äußerst schwierig zu erlangen ist.

Das Wort Kabbala stammt von dem hebräischen Wort "lekabel" ab. Dies bedeutet "empfangen". Alle Motivationen und Handlungen werden in der Kabbala als ein "Verlangen zu empfangen" beschrieben. Der Beweggrund jeder möglichen Tat ist immer der Wunsch oder das Verlangen, die unterschiedlichsten Freuden und Vergnügen zu erhalten. Dies ist des werdenden Menschen Grundeinstellung, der jede Person unterliegt. Unser Problem ist nur, wie wir das maximale Vergnügen mit dem minimalen Aufwand bekommen. Jeder versucht diese Problematik auf seine eigene bestimmte Weise zu beantworten.

Ebenso sieht jede Person etwas anderes in den Texten der Kabbala, gemäß der spirituellen Stufe, auf der er steht, gemäß seiner Intention, oder wie die Kabbalisten sagen, gemäß seines eigenen Willens zu empfangen. Deshalb wurde und wird die Kabbala entsprechend dieses Willens zu empfangen, auch auf den unterschiedlichsten Niveaus missverstanden und missbraucht, anstatt wie es sein sollte, erarbeitet und erfasst. So entstanden eine Unzahl an Büchern und Schriften über die Kabbala die von Autoren verfasst wurden, die sich selbst nicht genügend „korrigiert“ hatten, und somit auch keine innere Enthüllung erlebten, die sie befähigt hätte, Authentisches über die Kabbala weiterzureichen.

Kabbala ist, obwohl sie eine Wissenschaft ist, eben keine Sache der Logik und des Verstandes. Das klingt zunächst paradox. Obgleich die Kabbala auch eine rationale Wissenschaft ist, ist sie aber doch ausschließlich darauf ausgerichtet, eine Schule zu sein, schöpferähnliche, schenkende Eigenschaften zu erreichen. Dies geschieht über das Enthüllen der Taten des Schöpfers, über das Verständnis, weshalb der werdende Mensch Gutem und Bösem, Freude und Leid unterworfen ist, und weshalb er in sein bestimmtes Umfeld gestellt wird.

Dieser stufenförmige Vorgang beinhaltet ein kontinuierliches Erfassen, dass der Schöpfer GUT ist, und dass man selbst sehr viele noch nicht „korrigierte“, egoistische Eigenschaften besitzt.

Der Vorgang, seine noch nicht g-ttlichen Attribute zu verbessern, wird in der Kabbala als Korrektur "Tikun" bezeichnet. Sie ist einer der zentralen Begriffe. Es geht vereinfacht ausgesprochen darum, erkennen zu lernen, wie egoistisch und beurteilend man selbst noch ist (Mangel an Licht) und wie wir in dieser Form dem Schöpfer gegenüberstehen. Es sind diese dunklen Schleier oder Hüllen (Klipot), die entfernt (korrigiert) werden sollen.

Die Arbeit des sich Korrigierens ist ein überaus schwieriger innerer Prozess.

Die Kabbala lehrt die Seele einer Person (die in der Kabbala als ein Gefäß für Licht betrachtet wird) immer mehr zu erkennen, wie der Schöpfer in allem anwesend ist und wie Er alles über den scheinbaren freien Willen einer Person zum Guten hin steuert. Die Kabbala ist, wie schon erwähnt, kein magisches Füllhorn und auch keine Wundertüte, sondern ein wahrhaftig Studierender erreicht das Edelste, dessen ein Mensch fähig sein kann, nämlich, Freude am Schenken zu empfinden und den Egoismus abzulehnen. Er findet sein inneres Maß und das Geheimnis des „umsonst Tuns“. Gemäß dem erreichten Grad an spiritueller Reife, oder Altruismus, enthüllt sich der Schöpfer solch einem ernsthaft Studierenden der Kabbala mehr und mehr, und schließlich ist Er es, der ihm den Sinn der Leiden und Freuden, sowie den gesamten Schöpfungsplan enthüllt.

Ganz am Ende dieser Entwicklung vom Zweibeiner zum Menschen, überschreitet die aufstrebende Seele das Makhsom (die Barriere, die uns vom Spirituellen trennt) und "diese" und "die kommende Welt" fallen in EINS zusammen.

In dem Buch "Kabbala - Ein erster Einblick in die Verborgene Weisheit" von Rabbi Michael Laitman habe ich unter anderem auch Texte von Rabbi Ashlag und dem großen Kabbalisten ARI (Isaak Luria) übersetzt und herausgegeben, die einen beginnenden Schüler der Kabbala auf die elementarsten Dinge, die es zu Beginn eines Studium zu beachten gilt, verweisen.

Siehe im Internet: http://kabbala-info.net/deutsch/index.htm


Wer den richtigen Weg nicht sucht, ihn auch nicht findet.
freily©

 

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