Hallo Freily,
um auf das Wort Glaube/emunah zurückzukommen.
Im ursprünglichen hebräischen Sinne (dem biblischen) bedeutete das Wort eine aktive praktische Form der Lebensführung verbunden mit einer vertrauensvollen Beziehung zu dem, der diese Lebensweise den Menschen vorgeschlagen hat.
Es lag am Menschen, diese anzunehmen oder nicht.
Eine aktive Lebensführung besteht aus aktiven Taten: es regelt die Beziehung zum Mitmenschen (Ehe, Kindererziehung, zu den Verwandten, zum Fremden usw.). , was man isst, wie man spricht usw., und die Beziehung zum Schöpfer.
Eine reine Gedankenübung daraus zu machen, entstammt dem hellinistischen Kulturkreis. Dort neigte man stetig dazu, alles zu trennen , weil es eine dualistische Welt ist.
In dieser Hinsicht hatten es Anhänger des Jesus nicht leicht, denn sie mussten einen cultur clash überwinden und das mit weit weniger Mitteln als wir heute zur Verfügung haben. Wenn ich in den griechischen christlichen Schriften lese, sehe ich dieses Ringen ständig.
Ein Beispiel wie der Jakobus hier versucht die irrige Ansicht seiner dualistisch denkenden Brüder zu korrigieren:
Jakobus 2
Wenn ihr nun dem königlichen Gesetz nach dem Schriftwort beständig nachkommt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, tut ihr sehr wohl. 9 Wenn ihr aber fortfahrt, Parteilichkeit zu bekunden, so begeht ihr Sünde, denn ihr werdet vom Gesetz als Übertreter überführt.
10 Denn wer auch immer das ganze GESETZ hält, aber in einem einzigen Punkt einen Fehltritt tut, der hat sich gegen alle vergangen. 11 Denn der, der gesagt hat: „Du sollst nicht ehebrechen“, hat auch gesagt: „Du sollst nicht morden.“ Wenn du nun nicht die Ehe brichst, aber mordest, bist du ein Gesetzesübertreter geworden. 12 Redet weiterhin so, und handelt weiterhin so wie die, die durch das Gesetz eines freien Volkes gerichtet werden sollen. 13 Denn für den, der nicht Barmherzigkeit übt, wird das Gericht ohne Barmherzigkeit sein. Barmherzigkeit frohlockt triumphierend über das Gericht.
14 Von welchem Nutzen ist es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Dieser Glaube kann ihn doch nicht etwa retten? 15 Wenn sich ein Bruder oder eine Schwester in nacktem Zustand befindet und [es ihnen an] der für den Tag hinreichenden Speise fehlt, 16 aber einer von euch sagt zu ihnen: „Geht hin in Frieden, haltet euch warm und wohlgenährt“, ihr gebt ihnen aber nicht das für [ihren] Körper Notwendige, von welchem Nutzen ist das? 17 Ebenso ist der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot.
18 Dennoch wird jemand sagen: „Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeig mir deinen Glauben ohne die Werke, und ich werde dir meinen Glauben durch meine Werke zeigen.“ 19 Du glaubst, daß es einen einzigen Gott gibt, nicht wahr? Du tust sehr wohl. Doch glauben auch die Dämọnen und schaudern. 20 Möchtest du aber wissen, du leerer Mensch, daß der Glaube ohne Werke untätig ist? 21 Wurde nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtgesprochen, nachdem er Ịsa·ak, seinen Sohn, auf dem Altar dargebracht hatte? 22 Du siehst, daß [sein] Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte, und durch [seine] Werke wurde [sein] Glaube vollkommen gemacht, 23 und das Schriftwort wurde erfüllt, welches sagt: „Abraham setzte Glauben in Jehova, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“, und er wurde „Freund Jehovas“ genannt.
24 Ihr seht, daß ein Mensch durch Werke gerechtgesprochen wird und nicht durch Glauben allein. 25 Wurde nicht ebenso auch Rạhab, die Hure, durch Werke gerechtgesprochen, nachdem sie die Boten gastfreundlich aufgenommen und sie auf einem anderen Weg weggesandt hatte? 26 Ja, wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
schalom
Aisha
PS: tröstet ein wenig, dass der Jakobus offensichtlich genauso wenig erfolgreich war wie ich mit meinem Geschreibsel. Und seine Worte stehen immerhin in den christlichen Schriften!