Schalom Aisha!
Zuerst mal danke für deine Antwort. Bin mir jetzt zwar nicht sicher, ob das auch die Antwort von ABA wäre, aber das kann er ja selbst noch nachholen, bestätigen oder ergänzen.
Bevor man diese ganze "die Christen" und "die Juden" Dinge anspricht, die man zurecht oftmals kritisiert, müssten wir wahrscheinlich klären, was ist gemeint, wenn ABA Dinge sagt wie:
(70 verschiedene Auslegungen pro Bibelstelle ist doch etwas interessantes)
So etwas fehlt den Christen nun mal !!!
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich angesprochen fühle. Weil diese Aussage nämlich 1. nicht stimmt und 2. zu verallgemeiernd ist. Wobei ich mir zu 1. nicht vorstellen kann, dass der ABA das nicht weiß. Oder aber er sagt, dass eben christliche Auslegungen (Beispiele hast du ja angeführt, WT, Katechismus, usw.) eben nicht gleichwertigen Charakters sind wie der Talmud. Ok, das wäre dann eine Bewertungsfrage.
Aber abgesehen davon, wer ist mit "den Christen" gemeint? Das müssten wir spezifizieren. Ganz abgesehen aber von der Spezifikation, finde ich die Argumentationsart und Kommunikationsform nicht konstruktiv. Was einem fehlt, das sollte man selbst erkennen, dann ist es am effektivsten und man kann den Mangel am einfachsten beheben.
Tricky du hast den Aba nicht verstanden. Was er meinte ist Folgendes: Jeder Jude möchte natürlich nach der Torah leben!
Darum sind wir ja hier in einem Diskussionsforum. Damit jeder, der sich nicht auskennt, Fragen stellen kann. Und dann wird darüber gesprochen und dann herrscht (hoffentlich

) ein bisschen mehr Klarheit.
Nur spricht die Torah nicht immer Klartext mit uns. Wie der Aba erwähnt können die Bibelverse auf sehr verschiedenen Ebenen ausgelegt werden ohne sich zu widersprechen (dies wird jedem Leser hier im Forum mit der Zeit klar werden).
Der Talmud liefert uns diese Vielschichtigkeit.
Geht es um praktische Dinge der Lebensführung lässt die Torah viele Dinge offen . So wird zum Beispiel gesagt, am Schabbat solle man ruhen von jedem "Werk". Aber was bedeutet "Werk"?
Hm. Zu dem Thema bin ich ein bisschen gespalten. Einerseits gebe ich dir recht, Bibelkommentare können helfen eine Bibelstelle besser zu verstehen. Andererseits weiß ich, dass Gott mir auch durch seinen heiligen Geist die praktische Anwendungsanleitung sagen möchte. Das heißt, wenn ich mich mit offenem Herzen an die Bibel heranmache und ihn um Unterstützung bitte, dann macht Gott das Gelesene für mich lebendig, indem er mich erkennen lässt WIE das ein oder andere (vielleicht nicht ganz klare) verstanden werden soll. Natürlich ist es Gott auch möglich mir DAS durch einen Bibelkommentar (wie den Talmud) zu sagen. Bei Gott ist das alles möglich.
Dazu bietet uns der Talmud eine von der Bibel selbst abgeleitete Auslegung.
Dem einzelnen Juden ist es nun nach seinem Gewissen , seinem Verständnis und seiner Verantwortung überlassen, ob er am Schabbat den elektrischen Strom einschaltet oder nicht.
Man bewegt sich hier in einem Rahmen und respektiert die jeweils andere Meinung.
Das ist ein gutes Prinzip. Schön, dass im Judentum dieser gegenseitige Respekt und die Achtung vor einer anderen Meinung so hoch gehalten wird.
Der Talmud ist ein Werk in dem diese Verständnisse offen diskutiert werden. Ein pluralistische Werk der freien Meinungsäußerung und kein dogmatisches Werk.
Genauso ist es doch auch mit christlichen Bibelkommentaren, oder?
Genau das Gegenteil wollte der Aba sagen: ES GEHT NICHT UM DIE ABSOLUTE ANERKENNUNG DES TALMUD, denn ginge es darum, dann hätten wir dasselbe Problem wie die Christen. Der Talmud ist ein Werk der Toleranz und der freien Meinungsäußerung.
Ein Werk , das dieses beinhaltet, haben die Christen nicht.
Ich kann ja nur die Worte lesen, die geschrieben werden. Darin liegt ja die Schwäche eines Diskussionforums im Gegensatz zu einem persönlichen Gespräch (wo man sofort nachfragen kann). Ich zitiere nochmal:
Deshalb gibt es ja den TALMUD um die verschiedensten AUSLEGUNGEN
unserer Lehrer lesen zu können und danach in eigener Entscheidung zu handeln
oder leben zu können.
Wenn sich das DANACH auf den TALMUD bezieht, dann ist meine Meinung, dass das nicht ideal ist.
Bezieht sich das DANACH auf den TANACH, der in eigener Entscheidung auszuleben ist, dann stimme ich voll zu. Genau das gleiche würde ich für den Katechismus, den WT oder jede sonstige Kommentierung der Bibel aus christlicher Sicht behaupten. Ein Kommentar darf NIEMALS das Wort ersetzen oder letztgültig auslegen - Meine Meinung!
Stimmt Christen haben viele Bibelauslegungen.(vom Katechismus bis zum Wachtturm) Damit gibst du zu Tricky, dass auch für euch die Bibel nicht eindeutig zu verstehen ist.
Aber wo liegt der Unterschied?
Der Unterschied liegt dort, dass die christlichen Auslegungen in dem von dir erwähnten Sinne "absolut" sind.
Es ist mir neu, dass die christlichen Auslegungen, die ich lese, absolut sind. Aber ich lasse mich gerne davon überzeugen. Insgesamt lauert (wie oben schon beschrieben) in Bibelkommentaren immer die Gefahr, dass man sie ernster nimmt als das Wort. Das ist aber oft gar nicht im Sinne des Verfassers eines Bibelkommentars, sondern liegt an der Fundamentalismussüchtigkeit des Menschen.
Nochmal zur Bekräftigung
meines Standpunktes:
Die Bibel (AT+NT) lese ich unter Gebet und unter Einfluß des hl. Geistes. Den einzig wahren Bibelkommentar lässt mir Gott direkt zukommen, durch seinen Geist, der meinen Geist auf Dinge aufmerksam macht.
Beispiel: Es gibt Christen die verstehen die Schrift so, dass sie den Schabbat als den Ruhetag halten sollten und solche , die den Sonntag halten und wieder welche, die meinen es sei egal.
Es gibt Christen, die sich an Speisevorschriften halten und solche , die dies überhaupt nicht tun.
Diese "Auslegungen" können jedoch nicht NEBENEINANDER existieren, wie sie es im TALMUD tun, sondern für jede Auslegunge wird eine extra Gruppe gegründet und deren Mitglieder haben sich "absolut" an die jeweilige Auslegung zu halten.
Da muss ich jetzt nachfragen, weil mir das nicht klar ist. Es gibt nur eine jüdische Religion? Das ist mir insofern neu als ich sehr wohl viele verschiedene Ausprägungen davon kenne:
-) orthodoxes Judentum
-) liberales Judentum
-) messianisches Judentum
-) Reformjudentum
...
Das sind jetzt längst nicht so viele Gruppen wie es christliche Religionsgemeinschaften gibt, ok! Und auch mit dem Aspekt des gegenseitigen Kampfes zwischen jüdischen Religionen (mir wäre jetzt kein Religionskrieg innerhalb der Juden bekannt) gebe ich dir recht.
Aber dass man sich der einen oder anderen Gruppe (und Auslegung) mehr zugehörig fühlt, das ist doch überall so.
Streit (über den Inhalt möchte ich hier nicht weiter diskutieren, das wäre vielleicht ein eigenes Thema) gibt es leider überall:
http://religion.orf.at/projekt02/news/0404/ne040420_d_juden_fr.htmDas ist
leider zutiefst menschlich

Soweit es jetzt Österreich betrifft leben die Christen doch eigentlich auch recht friedlich miteinander, nebeneinander. Woanders auf der Welt ... ist wieder ein anderes Thema.
Damit nicht genug- der jeweils anderen Auslegung wird jede Berechtigung abgesprochen und als Irrlehre bezeichnet (siehe christliche Foren).
Hier gebe ich dir vollkommen recht,
christlich ist das allerdings nicht. Ich persönlich versuche das zu unterlassen.
Anders im Judentum! Man spricht von Wahrheit und wendet dies auf ganz verschiedene Verständnisse der Schrift an. Im christlichen Denken ein Paradox! Wie können verschiedene Ansichten wahr sein?
Dies kommt aus der griechischen Kultur, die nun einmal das "christliche Abendland" prägt - aristotelische Logik - wenn A wahr ist , kann B nicht wahr sein. Enweder A oder B.
Hier habe ich jetzt ein Killerargument, bitte nicht böse nehmen. Es gibt doch 4 Evangelien, die im großen und Ganzen das gleiche Wirken Jesu beschreiben und begleiten.
Im Detail verschiedene Ansichten sind alle wahr. Zutiefst christlich also...
Deshalb hat der Aba ganz richtig festgestellt, dass den Christen diese Denkweise fehlt und es deshalb in der Geschichte zu diesen schrecklichen Greueltaten gekommen ist, weil man nicht im Geringsten eine Abweichung von absoluten Dogmen akzeptieren kann.
Ich bin nur froh, dass ich für diese Taten nicht verantwortlich gemacht werden kann, da ich sie nicht begangen habe. Wie gesagt, ich habe möglicherweise eine eigene Auffassung von
christlich. Die katholische
Verfolgung von Christen im Mittelalter (Waldenser, Reformatoren, ...) hat mit
christlich nichts zu tun!
Mit Sicherheit unterscheiden sich andere Religionen hier. Es hat im Gesamten und über eine so lange Zeit hinweg (2000 Jahre) keine Religion gegeben, die so mit Andersdenkenden vorgegangen ist.
Wir müssten konkret definieren was christlich ist und was nicht. Wenn ich mich Christ nenne und bewußt sowie absichtlich GEGEN Jesu Auftrag handle indem ich andere RICHTE und TÖTE, bin ich dann wirklich ein Christ?
viele Grüße
Tricky
P.S. Ich habe einen Formatierungsfehler gefunden und nachträglich editiert. Sollte jetzt besser lesbar sein, mein Posting. Im Inhalt wurde nichts verändert...