Autor Thema: Anfängerkurs  (Gelesen 10196 mal)

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Deria

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Anfängerkurs
« am: Do., 17. Juni 2010, 08:58 »
Liebe Aisha,

Man muss bedenken, heute werden diese Dinge weltweit online gelehrt. Früher wurde ein Schüler erst vom Rabbi zu höheren Lehren zugelassen, wenn seine Beziehung zum Schöpfer und seine Handlungen gegenüber seinen Mitmenschen sehr gut waren. Da dies also die Basis ist, kann man es nicht oft genug erwähnen. :)
Mich würde interessieren, WAS diese "Grundlehren" sind, die man kennen sollte, um zu den "höreren Lehren" zugelassen zu werden.

Was sind die "höheren Lehren"? Besser gefragt: Wo beginnen sie? Kann das grob umrissen erklärt werden, oder wäre das zu kompliziert?

Der Anfängerkurs ist im Internet eigentlich der gleiche, wie real im Lernzentrum.

Offline freily

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #1 am: Do., 17. Juni 2010, 14:05 »
Schalom Deria,
Man muss bedenken, heute werden diese Dinge weltweit online gelehrt. Früher wurde ein Schüler erst vom Rabbi zu höheren Lehren zugelassen, wenn seine Beziehung zum Schöpfer und seine Handlungen gegenüber seinen Mitmenschen sehr gut waren. Da dies also die Basis ist, kann man es nicht oft genug erwähnen. :)
Mich würde interessieren, WAS diese "Grundlehren" sind, die man kennen sollte, um zu den "höreren Lehren" zugelassen zu werden.

Was sind die "höheren Lehren"? Besser gefragt: Wo beginnen sie? Kann das grob umrissen erklärt werden, oder wäre das zu kompliziert?

Der Anfängerkurs ist im Internet eigentlich der gleiche, wie real im Lernzentrum.
unabhängig zur Aisha werde ich Dir einige Dinge nahe legen, nicht um Dich zu belehren, sondern um grundsätzliches vorher abzuklären, weil das Internet neben guten Beispielen, auch viel Schlechtes beinhaltet.

Wenn man etwas googelt, dann kommt man auf Seiten, die vor der Kabbalah warnen mit Slogans die ähnlich sind: Kabbalah ist eine Sekte, keine Religion!

Solche berufen sich auf die Schauspieler, die mit roten Bändern um das Handgelenk rumliefen, weil sie meinten damit ihren persönlichen Erfolg steigern zu können.
So ein egoistischer Grundsatz ist natürlich kein Thema für die Kabbalah, der "Sprache der Zweige" wie sie der Jeschua Ben Joseph benutzte.

Deshalb rate ich jeden, unabhängig von seiner Religions- oder Glaubensansichten, lest zuerst ruhig und ohne Interpretationsgedanken die Bücher Moses bis hin zum Maleachi und die Apokryphen, damit ihr das Fundament erkennt, um was es bei der Kabbalah geht, erkennen könnt!

Solche Warner oder Aufklärer, die die Kabbalah weder kennen noch verstehen, warnen aus Unkenntnis, weil es eben bei Menschen so ist, daß was sie nicht kennen, zunächst mies gemacht wird oder weil andere etwas mißbräuchlich anwenden.
Die Kabbalah ist keine Lehre!
Sie ist eine technische Hilfe um die höhere geistigen Dimensionen der alten Propheten besser verstehen zu können und um die Spiritualität des Menschen anzuheben.
So habe ich das bis jetzt verstanden!

Die Warnungen hier sind also ein Nonsens, weil das Studium einiger Journalisten keine Garantie dafür sind, daß sie es auch verstehen, über was sie hier schreiben. Sie sehen nur den mehr oder weniger äußeren Aspekt einiger Schauspieler und meinen schon, daß Fundament zu kennen.

Das Wort Kabbalah ist sehr jung im Verhältnis zur Bibel und heißt soviel wie: Richtiges Empfangen!

Früher, in der Zeit Christi hieß sie : Die Geheime-Lehre, soviel ich weiß, aber ob diese Info jetzt stimmt, sorry - konnte sie nicht recherchieren!

Aus der Bibel jedoch erkenne ich, das sie der "Jesus" gekannt haben muß, weil er sie bei seinen Berichten anwandte.
Außerdem erkannte ich auch Anhaltspunkte bei den Beiträgen vom ABA, als er über den Judas referierte. Denn nach meiner Ansicht erkannte der Jünger Judas Iskariot als einziger die Bedeutung dieser Lehre von "Jesus", die nur in höheren Rabbikreisen gelehrt wurde! Nur in diesem Zusammenhang ist es zu verstehen, warum der Judas kein Verräter war!
Und nur in diesem Zusammenhang sind einige Aussagen "Jesu" richtig zuverstehen und nicht, wie später einzelne Aposteln dies glaubten verstanden zu haben.

Daß ist der eigentliche Knackpunkt zwischen den Juden und Christen.

Diese höhere Sprache!
Der Einstieg in die Techik dieser Sprache ist zwar hier zu finden, aber ohne ausreichende Kenntnisse der alten Schriften ein sinnloses Unterfangen.
Und die Kabbalah in allen Einzelheiten hier zu erklären, wäre wirklich zu kompliziert, weil die menschliche Seele hier vor GOTT steht und mitwachsen muß.
So etwas kann keiner mit der Technik erklären, da ist der Wille und die Einstellung zur Wahrheit entscheidend, und das kann nur der Höchste entscheiden und nicht ein Priester oder Lehrer, denn wir können nur die Auswirkung sehen.

Liebe Grüße
Wer den richtigen Weg nicht sucht, ihn auch nicht findet.
freily©

Offline Aisha

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #2 am: Do., 24. Juni 2010, 10:21 »
Schalom ,

   
Zitat von: Aisha
Man muss bedenken, heute werden diese Dinge weltweit online gelehrt. Früher wurde ein Schüler erst vom Rabbi zu höheren Lehren zugelassen, wenn seine Beziehung zum Schöpfer und seine Handlungen gegenüber seinen Mitmenschen sehr gut waren. Da dies also die Basis ist, kann man es nicht oft genug erwähnen.
:)

Frage von Deria dazu:

Zitat von: Deria
Mich würde interessieren, WAS diese "Grundlehren" sind, die man kennen sollte, um zu den "höreren Lehren" zugelassen zu werden.

Was sind die "höheren Lehren"? Besser gefragt: Wo beginnen sie? Kann das grob umrissen erklärt werden, oder wäre das zu kompliziert?

Beginnen wir Schritt für Schritt:

Die Kabbalah ist die Torah ! (Erklärung folgt)

Was kommt vor der Torah?

Derech Eretz

Dazu eine Erklärung:


Zitat
Es stellt sich dabei eine Frage. Wenn es das Wichtigste ist, das Thoraleben mit den 613 Gesetzen zu leben, warum beginnt die Thora mit der Schöpfung, dem Garten Eden, den Geschichten von Adam, Noah, Abraham etc.? So interessant diese Passagen auch sind - aber ist denn die Thora ein Geschichtsbuch?
Macht es wirklich etwas aus, ob wir wissen was in früheren Zeiten geschah? Wenn die 613 Gesetze so wichtig sind, warum zählt die Thora sie nicht einfach nacheinander auf (so etwa wie die zehn Gebote)? Mit anderen Worten, was ist der Zweck des Buchs Bereschit (Genesis) und dessen Geschichten als ein Teil der Thora?


Derech Erez kommt vor Torah

Mein Mentor, Rabbi Michoel Ber Weissmandl, s.a., stellte dazu folgenden Gedanken dar. Unsere Weisen lehren "Derech Erez kommt vor Thora". Rabbi Weissmandl erklärte dies so: Wenn man keinen Derech Erez hat (wir übersetzen dies normalerweise mit "respektvollem Benehmen"), kann man keine Thora haben, unabhängig davon wie viel Kenntnisse von Büchern jemand hat. Wenn jemand in der Tat keinen Derech Erez hat, dann wird er wahrscheinlich die Thora für negative, destruktive Zwecke brauchen.

Rabbi Weissmandl fragte darauf: "Wenn Derech Erez eine Voraussetzung für Thora ist, woher erhalten wir diesen dann? Wer lehrte uns, damit anzufangen?" Seine Antwort war, "Unsere Erzväter lehrten uns die Bedeutung von Derech Erez."

Deshalb ist Genesis das erste Buch der Thora, auch bekannt als die Thora unserer Erzväter, der Originaltrakt Derech Erez (es gibt einen ganzen Trakt im Talmud, der die Bedeutung von Derech Erez erläutert). Das Buch Genesis hat relativ wenig Gesetze, denn das primäre Ziel ist es, uns zu helfen unsere grundlegende Thorapersönlichkeit zu erlangen. Im zweiten Buch der Thora (Exodus) fangen wir erst an, die Mehrheit der Gesetze zu lernen. Die Thora der Väter (die Thora, die uns Derech Erez lehrt) kommt daher vor der Thora von Moses (die Thora mit den 613 Gesetzen), denn Derech Erez ist eine Voraussetzung für Thora.

Sich selber kennen

Was genau ist Derech Erez? Derech Erez (wörtlich "der Weg des Landes") wird am besten mit "Respekt" übersetzt, denn es bezieht sich auf mehr als nur Höflichkeit, Anstand, Manieren oder Techniken, um Freunde zu gewinnen oder Leute zu beeinflussen. Derech Erez bedeutet Würde, andere mit Würde behandeln und, sogar noch wichtiger, sich selbst mit Würde zu behandeln. Die Suche nach Respekt beginnt zu Hause und deshalb ist Selbstrespekt der Kern von Derech Erez.

Selbstrespekt ist das Wissen, wer wir sind. Wir sind eine Schöpfung von G"tt, er schuf uns in seinem Ebenbild. Wenn wir wirklich verstehen, dass wir im g"ttlichen Ebenbild erschaffen wurden, können wir uns dann versagen, uns selbst mit Würde zu behandeln? Können wir es versäumen, andere mit Würde zu behandeln?
Stellen Sie sich einen unbezahlbaren Schatz vor, der in einem großen Safe eingeschlossen ist und einen Code bestehend aus einer Million Zahlen für die Öffnung benötigt. Stellen Sie sich vor, dass Sie 999.999 Zahlen korrekt wissen und nur eine einzige Zahl falsch haben. Diese eine falsche Zahl verhindert, dass Sie diesen Safe öffnen können. Jede einzelne Person ist ebenfalls eine kritische Zahl im g"ttlichen Schema. Jeder Mensch wurde für einen speziellen spezifischen Zweck erschaffen; jeder hat eine spezielle und einzigartige Funktion zu erfüllen, um diesen großen Schatz erschließen und die Welt erlösen zu können. Wenn eine Person in ihrer Aufgabe versagt, bleibt der ganze Schatz verschlossen. So lehrte uns auch Hillel: "Wenn ich nicht mache, was ich machen sollte, wer wird mich ersetzen?"
Wenn Sie dies wissen, wie können Sie Ihren Nächsten nicht gerne haben? Um so mehr, wie können Sie sich selbst nicht gerne haben? Rabbi Akiva sagte: "Liebe deinen Nächsten so wie dich, dies ist eine große Regel in der Thora."
Sie können Ihren Nächsten nicht wirklich gerne haben, wenn Sie nicht wissen, was es bedeutet, sich selbst zu lieben.

Das Erste, das man sich merken soll, ist, sich selbst zu respektieren. Wer wirklichen Respekt vor sich selbst hat, wird niemals einen anderen Menschen klein machen. Andere klein machen bedeutet, dass man seinen eigenen Selbstwert noch nicht entdeckt hat. Man hat noch nicht verstanden, dass man im göttlichen Ebenbild erschaffen wurde.

Aisha

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Deria

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #3 am: Do., 24. Juni 2010, 17:55 »
Danke Aisha,

das sind sehr feine Gedanken!

Wenn ich mir genauer überlege, ist Respekt eine ganz wichtige Eigenschaft. Denn ohne Selbstrespekt ist auch die Selbstliebe nicht wirklich möglich.
Einen Menschen, den ich nicht mal Respekt zollen kann, kann ich noch weniger Lieben. Das betrifft auch die eigene Person.

Zitat
....Höflichkeit, Anstand, Manieren oder Techniken, um Freunde zu gewinnen oder Leute zu beeinflussen....

Das sind Eigenschaften, die man auch nur vorgeben kann, ohne von Herzen kommend. Respekt kann man nicht vorgeben oder spielen. Respektvolles Benehmen hat man, dann kann man es auch leben. Oder man hat es eben nicht.

LG Deria

Offline freily

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Anfängerkurs
« Antwort #4 am: Do., 24. Juni 2010, 23:23 »
Schalom ihr Lieben,

Zitat
Das Erste, das man sich merken soll, ist, sich selbst zu respektieren. Wer wirklichen Respekt vor sich selbst hat, wird niemals einen anderen Menschen klein machen. Andere klein machen bedeutet, dass man seinen eigenen Selbstwert noch nicht entdeckt hat. Man hat noch nicht verstanden, dass man im göttlichen Ebenbild erschaffen wurde.
Und genau da verwechseln viele die egoistische Eigenliebe mit dem altruistischen Selbstrespekt und können dadurch nicht über manche Dinge stehen!

Liebe Grüße
Wer den richtigen Weg nicht sucht, ihn auch nicht findet.
freily©

Deria

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« Antwort #5 am: Fr., 25. Juni 2010, 09:56 »
Schalom ihr Lieben,

Zitat
Das Erste, das man sich merken soll, ist, sich selbst zu respektieren. Wer wirklichen Respekt vor sich selbst hat, wird niemals einen anderen Menschen klein machen. Andere klein machen bedeutet, dass man seinen eigenen Selbstwert noch nicht entdeckt hat. Man hat noch nicht verstanden, dass man im göttlichen Ebenbild erschaffen wurde.

Und genau da verwechseln viele die egoistische Eigenliebe mit dem altruistischen Selbstrespekt und können dadurch nicht über manche Dinge stehen!

Liebe Grüße

Ich denke, das muss der Kabbalist genau so erkennen oder lernen, wie jeder andere auch, wenn er Nächstenliebe richtig ausüben will. Diese Eigenschaft wird niemandem in die Wiege gelegt. Egoistische Eigenliebe wird auch im NT nicht gelehrt oder empfohlen.

Ein Egoist respektiert sich selbst ja gar nicht. Sonst wäre er kein Egoist! Das sagt dieser Gedanke auch aus:

"Das Erste, das man sich merken soll, ist, sich selbst zu respektieren. Wer wirklichen Respekt vor sich selbst hat, wird niemals einen anderen Menschen klein machen. Andere klein machen bedeutet, dass man seinen eigenen Selbstwert noch nicht entdeckt hat. Man hat noch nicht verstanden, dass man im göttlichen Ebenbild erschaffen wurde."

Deria

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #6 am: Fr., 25. Juni 2010, 15:15 »
Hier ist nochmal der eigentliche Text, der Anlass für unser Gespräch hier:

Darüber steht geschrieben: "Wie Er barmherzig ist..." - das heißt:  Genauso wie all Seine Handlungen nur darauf ausgerichtet sind, zu geben und dem Nächsten Gutes zu bringen, und keineswegs auf den eigenen Nutzen (denn es mangelt Ihm an nichts, was er ergänzen müsste, und es gibt niemanden, von dem Er empfangen könnte), so sollen auch alle unsere Handlungen zu dem Zweck sein, zu geben und dem Nächsten Nutzen zu bringen. Und darin werden wir unsere Eigenschaften den Eigenschaften des Schöpfers angleichen, was eben spirituelle Verschmelzung  (Dwekut) ist.

Quelle

Quelle angefügt.

Offline Aisha

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #7 am: So., 27. Juni 2010, 16:28 »
Schalom,

Zitat
Ich denke, das muss der Kabbalist genau so erkennen oder lernen, wie jeder andere auch, wenn er Nächstenliebe richtig ausüben will.


Genau so ist es. Es ist ein Lernen IN einer Beziehung zum Schöpfer. Beides gehört untrennbar zusammen. Ohne Hilfe von "oben" geht gar nichts, ohne praktisches (!) Lernen auch nicht. Nicht umsonst wird die geistige Entwicklung mit der Entwicklung vom Foetus bis zum Erwachsenen verglichen.
(pralktisch bedeutet im Leben angewandtes und nicht totes Kopfwissen)
 
Kabbalah ist kein Selbsterlösungsweg, deshalb kommt das Wort von Empfangen.

Zitat
Diese Eigenschaft wird niemandem in die Wiege gelegt. Egoistische Eigenliebe wird auch im NT nicht gelehrt oder empfohlen.

Unter Egoismus versteht man in der Torah keineswegs, dass man keine Bedürfnisse oder Wünsche haben darf. Es ist kein asketischer Weg.
Egoismus sind Verlangen auf Kosten des Mitmenschen, Verlangen, die den Mitmenschen schaden.
(ich erkläre das nur allgemein, dass wir die Begriffe klar definieren und keine Missverständnisse entstehen).

Zitat
Ein Egoist respektiert sich selbst ja gar nicht. Sonst wäre er kein Egoist! Das sagt dieser Gedanke auch aus:

"Das Erste, das man sich merken soll, ist, sich selbst zu respektieren. Wer wirklichen Respekt vor sich selbst hat, wird niemals einen anderen Menschen klein machen. Andere klein machen bedeutet, dass man seinen eigenen Selbstwert noch nicht entdeckt hat. Man hat noch nicht verstanden, dass man im göttlichen Ebenbild erschaffen wurde."

Genau! Ein Egoist hat keine Frieden, keine Sicherheit in sich selbst. Indem er andere klein macht, möchte er selbst größer erscheinen. Von den (Falsch-)Religiösen aus , ist die häufigste Methode andere klein zu machen, Schuldgefühle zuzuweisen! Dies erfolgt dann kollektiv gegenüber Außenstehenden. Eine sehr egoistische Art auf Kosten des Mitmenschen.

schavua tov

Aisha

Deria

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #8 am: So., 27. Juni 2010, 21:21 »
Danke für den Quellenverweis.

Jetzt weiß ich wo ich das nachlesen kann. Ich bekomme diese Gedanken vom Kabbalalernzenturm per Mail und da war kein Quellenverweis dabei.

Offline Aisha

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #9 am: Mi., 30. Juni 2010, 12:56 »
Schalom Deria und Freily,

ich möchte nun endlich die Fragen beantworten, die am Anfang unseres Themas standen.
Zur Erinnerung: Es ging darum, weshalb höhere Lehren nicht an die Massen gelehrt werden und nach welchen Kritierien ein Lehrer die Schüler auswählt, die zu diesen Lehren zugelassen werden.

Diese Vorgehensweise hat historische Gründe und diese wollen wir uns einmal ansehen:

Wir lesen in der Bibel , dass zur Zeit des 1. Tempels die Propheten Prophetenschüler hatten.
Diese wählten sie aus, um sie zu unterrichten.

Die Propheten hatten geistige Erfahrungen von ruach ha kodesch (Heiligem Geist)
Ruach ha kodesch setzt eine Beziehung zu G’tt und gute Handlungen gegenüber den Mitmenschen voraus.
 

Im Talmud lesen wir: in der Zeit der Propheten war die „Lust nach Götzendienst“ groß. (Yoma 69 b, Sanhedrin 64 a).

Weshalb war gerade in dieser Zeit, die Lust nach verbotenen Praktiken so groß?

Die verbotenen götzendienerischen und okkulten Praktiken ähnelten rein äußerlich denen der Propheten.

Weil geistige  Erfahrungen sehr süß sind, wollten Menschen eine Abkürzung machen und sie wandten sich der Praxis der Götzendiener zu. Es war ihnen zu mühsam, des ruach ha kodesch würdig zu werden.
Die Zustände, die diese erlebten waren im Moment süß, danach jedoch wie der Biss einer Schlange (berichtet der Talmud).

Jesaja 44: 25

Er macht die Zeichen der Lügenredner (BADIM) zunichte, und die Wahrsager zu Narren.

Jesaja 8:19

Und wenn sie zu euch sprechen: Befraget die Beschwörer (ovot) und Weissager (Jedonim), die da zirpen und flüstern, so sprechet: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Soll es für die Lebenden die Toten befragen?


Zur Zeit des 2. Tempels gab es keine Propheten mehr . Allerdings war es noch immer möglich ruach ha kodesch zu empfangen. Um die Massen vor Götzendienst als Ersatz für wahre Prophetie fernzuhalten, bildeteten sich kleine Kreise von Lehrern und Schülern. Diese wurden Chasidim genannt. Der Öffentlichkeit wurde weiterhin die Ethik und Moral der Torah gelehrt und die Mizvot (Gebote) in ihrer äußeren Ausübung. Das erkärt auch, dass es zu eine gewissen Erstarrung (Äußerlichkeit ohne Innerlichkeit) kam.

Dieser Hintergrund lässt uns die Praxis zur Zeit Jesu besser verstehen: 

Zitat von: Freily
Früher, in der Zeit Christi hieß sie : Die Geheime-Lehre, soviel ich weiß, aber ob diese Info jetzt stimmt, sorry - konnte sie nicht recherchieren!

Ja Freily das stimmt. Die Chasidim zur Zeit Jesu wählten Schüler aus, um diese die höheren Lehren zu lehren. Die allgemeine Lebenspraxis wurde öffentlich gelehrt.

Aisha




Offline ABA זאב ברנובסקי

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wer sollte wen lehren !?
« Antwort #10 am: Do., 01. Juli 2010, 03:00 »
שלום כולם
Schalom zusammen,

Zitat von: freily
Früher, in der Zeit Christi hieß sie :
Die Geheime-Lehre, soviel ich weiß, aber ob diese Info jetzt stimmt, sorry - konnte sie nicht recherchieren!
IN DER ZEIT CHRISTI ...
gab es in dem Sinn keine "Geheime-Lehre" die Bedeutung gehabt hätte !
Es gab etwas viel WICHTIGERES !
Es war die falsche AUSLEGUNG der Lehre seitens der "Chasidim" !

Deshalb war der priesterliche Messias damals von Nöten, und dessen Hauptaufgabe war es:
Dem einfachen VOLK (AmHaArez) in der Art von MOSCHEL (Beispielen/Gleichnissen) die Lehre der TORA
verständlich weiterzugeben,

deshalb: ...
Zitat von: Aisha
Die Chasidim zur Zeit Jesu wählten Schüler aus, um diese die höheren Lehren zu lehren.
Die allgemeine Lebenspraxis wurde öffentlich gelehrt.
... wählte Rabbi JESCHUA BenJosef seine Talmidim (Schüler) aus, um dem einfachen, vorwiegend ungelehrtem Volk
(bes. wegen des üblichen aramäischen Dialektes) die LEHRE der TORA begreiflich zu machen.
... sowie gegen die "chasidische" Auslegung einer >seligmachenden Gesetzlichkeit< lehrmäßig anzukämpfen.

Beweis:
(was die Folge der Lehre Jeschuas betrifft)
Zitat von: Jeschua in Matitjahu 13,11
EUCH ist es gelehrt die GEHEIMNISSE des Reiches der HIMMEL zu wissen!
JENE aber wissen es nicht!

und weiter dann:
... darum lehre ich in GLEICHNISSEN zu ihnen,
weil sie es ansonsten nicht verstehen würden !

von einer gewissen "höheren Lehre" oder gar "Geheimlehre" kann hier keinesfalls geredet werden.
Es handelt sich um die ganz normale AUSLEGUNG der TORA entgegen der "CHASIDISCHEN GesetzlichkeitsLEHRE" !

שלום אבא

Schalom ABA

GRUNDSATZ der kritischen Vernunft :
Wer wirklich an der Wahrheit Interesse hat, wird so verfahren,
dass er gerade Auffassungen, die er für besonders wichtig hält,
am schärfsten der kritischen Prüfung aussetzt !!!

Offline freily

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Antw:wer sollte wen lehren !?
« Antwort #11 am: Do., 01. Juli 2010, 10:21 »
Schalom ABA,
Zitat von: freily
Früher, in der Zeit Christi hieß sie :
Die Geheime-Lehre, soviel ich weiß, aber ob diese Info jetzt stimmt, sorry - konnte sie nicht recherchieren!
IN DER ZEIT CHRISTI ...
gab es in dem Sinn keine "Geheime-Lehre" die Bedeutung gehabt hätte !
Es gab etwas viel WICHTIGERES !
Es war die falsche AUSLEGUNG der Lehre seitens der "Chasidim" !
sorry ABA, aber diesbezüglich habe ich etwas andere Informationen. Das es damals nicht Kabbalah hieß, daß ist schon klar. Aber "die höhere Lehre" gab es damals schon und der Hillel der Große lehrte diese auch!

Zitat von: ABA
Deshalb war der priesterliche Messias damals von Nöten, und dessen Hauptaufgabe war es:
Dem einfachen VOLK (AmHaArez) in der Art von MOSCHEL (Beispielen/Gleichnissen) die Lehre der TORA
verständlich weiterzugeben,
nun da bin ich der Ansicht, daß der Jeschua Ben Joseph nicht der priesterliche Messias war, denn "Jesus" hatte "nur" die Aufgabe, die Zerstörung und Zerstreuung des VOLKES zu lehren.
Er war sozusagen der letzte Prophet, wo Israel die Möglichkeit gehabt hätte sich der mosaischen Lehre zu erinnern und zu befolgen.
Zitat von: ABA
von einer gewissen "höheren Lehre" oder gar "Geheimlehre" kann hier keinesfalls geredet werden.
Es handelt sich um die ganz normale AUSLEGUNG der TORA entgegen der "CHASIDISCHEN GesetzlichkeitsLEHRE" !
auch da kann ich nicht ganz folgen, weil die Sepher Jezira des Abrahams nur den "Geheimnisträgern" bekannt war.
Sorry, wenn ich nicht genauer darauf eingehen kann, aber wie im Zitat schon gesagt, daß etliche Infos von mir noch nicht geprüft werden konnte.
Zudem weiß ich aber, daß der "Jesus" in der "Sprache der Zweige" lehrte und die Offenbarung ist voll davon.

Aber deswegen streite ich mich nicht, denn es muß jeder selbst wissen, was er zu Glauben hat.


Liebe Grüße


P.s.: Ich werde die Schriftstelle noch suchen, die mich zu dieser obigen Meinung führte.
Wer den richtigen Weg nicht sucht, ihn auch nicht findet.
freily©

Offline Aisha

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« Antwort #12 am: Do., 01. Juli 2010, 11:48 »
Hallo zusammen,

Zitat von: ABA
die LEHRE der TORA begreiflich zu machen.
... sowie gegen die "chasidische" Auslegung einer >seligmachenden Gesetzlichkeit< lehrmäßig anzukämpfen.

Okay, da wären nun Quellenhinweise von Nöten.
Bisher kenne ich diese Begriffe "seligmachende Gesetzlichkeit" nur von evangelikalen und charismatischen freikirchlichen Christen. Diese berufen sich auf Paulus.
Im Judentum hörte ich dergleichen noch nie!
Umso interessanter zu erfahren, ob es derartige Begriffe in der Antike gegeben hat ?

Aisha

Offline ABA זאב ברנובסקי

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und jetzt der Zusammenhang
« Antwort #13 am: Do., 01. Juli 2010, 14:28 »
Schalom Aisha, Schalom Freily,

Um euer Nachfragen zusammenzufassen ist ein wichtiger FACT zu berücksichtigen !

Schriftkundigen aus unserem Volke, wie meine Lehrer, deren Lehrer bis zu mir ist es erst seit gut
100 Jahren möglich sich eingehend und intensiev mit dem Christentum und den christlichen Schriften
zu befassen.
"WIR" (und darüber sind wir uns bestimmt einig) kamen auf ein ganz anderes Ergebnis als die christliche LEHRE,
ihre DOGMEN, ihre MESSIAS-AUFFASSUNG !

Und "WIR" sind damit noch nicht am Ende !!!

Das quasi "Verbot" bis dahin, sich als gläubiger Jude mit dem Christentum und deren Schriften so zu beschäftigen,
kam allerdings nicht von den Christen, sondern aus den Reihen unserer "FROMMEN" !!!

Hätten die damaligen Gelehrten aus dem 14 Jhdt. u.Z. sich eher damit beschäftigt, als die Kabbala mystisch zu kreieren,
wären wir der GLAUBENSREALITÄT in unserer Welt, alle einige Schritte weiter !

Denn selbst die christlichen Schriften sind zum größten Teil 1000 Jahre älter als das Werk der Kabbala.
(ohne jetzt groß den korrekten historischen Ursprung der Kabala aufs Parkett zu bringen)

Jedoch brauchen wir über die gesamte kabbalistische Auffassung unter uns Juden nicht groß zu diskutieren.
Wir müssen nur einen wichtigen FACT berücksichtigen, ...

... dass es 2 entgegengesetzte Grundauffassungen zur Kabala gibt !

1.) Die Kabbalisten selbst, ...
... welche die Kabbala für einen Hauptbestandteil der mündliche Lehre, ja sogar für die eigentliche mündliche Lehre halten.
Sie verlegen sie dazu auch noch vor die Offenbarung am Sinai bis in die Urzeit des Menschengeschlechtes zurück.
Sehen insbesondere Abraham als Erneuerer einer geheimen Urweisheit, wie ja auch am Ende des Buches JEZIRA
Abraham als dessen Verfasser genannt wird.

2.) "Schriftgelehrte" die das mystische Element im Judentum überhaupt als fremd ansehen.
Insbesondere die der modernen rationalistischen Richtung. Diese suchen aus teilweiser Verwandtschaft mit religiösen
oder mystischen Systemen verschiedener Völker und Zeiten, oder gemeinsamen Elementen, den gänzlich oder wenigstens
teilweise fremden Ursprung der Kabbala abzuleiten.

Naja - ...
... selbst mit dem "Auftauchen" des Buches SOHAR, in Bezug auf dessen wahren Ursprung teilten sich sogar 2 Lager !
Die Gläubigen und die Kritiker - ; obwohl meist schroff gegenüberstehend, beginnt tatsächlich eine allgemeinere Durchdringung
des religiösen Lebens mit den Elementen der Kabbala.
Trotz seiner unsystematischen Anlage bildet der SOHAR die Zusammenfassung und Entfaltung der ganzen vorangehenden
kabbalistischen Gedankenwelt, in einer Geist und Gemüt ansprechenden Form.

Schalom ABA
GRUNDSATZ der kritischen Vernunft :
Wer wirklich an der Wahrheit Interesse hat, wird so verfahren,
dass er gerade Auffassungen, die er für besonders wichtig hält,
am schärfsten der kritischen Prüfung aussetzt !!!

Offline Aisha

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Antw:Anfängerkurs
« Antwort #14 am: Do., 01. Juli 2010, 16:46 »
Schalom,

naja mir fällt dazu eine dritte Gruppe ein.

Leute wie Lawrence Kushner und Arthur Waskow, beide Vertreter der jüdischen Erneuerung :)

So fragt Arthur Waskow in "Down do Earth Judaism".

Zitat

Zwei Jahrhunderte kämpfte das Judentum gegen den Hellinismus. Folgende Gruppen gab es in dieser Ära:

Die Priester
Die Zeloten
Die Christen
Die Hellinisten
Die Kinder des Lichts
Die Rabbis

Die Rabbis schafften es das Judentum durch diese Krise zu führen, indem sie sagten: Die Torah wurde nicht mit schwarzer Tinte auf weißem Papier geschrieben, sondern mit schwarzem Feuer auf weißem Feuer.

Das schwarze Feuer waren die Worte und Buchstaben, die jeder sehen konnte, aber im weißen Feuer , dort war die lebendige Torah.
Für jede Generation war es notwendig das tiefere Verständnis im weißen Feuer zu finden.

Heute, unsere Generation, steht einer ähnlichen Krise gegenüber. Was ist die Antwort:
Seculärer Zionismus?
Jiddischer Sozialismus
Aufgehen im Modernismus?
Die Erschaffung einer neuen religiösen Form, die die Modernität aufnimmt, aber sich nicht davon verschlingen lässt?
Oder....was?

Und dann schlägt er einen Lösungsweg vor:
Schaffen wir es unseren Vorvätern zu folgen , indem wir  tief in der biblischen und rabbinischen Vergangenheit verwurzelt sind und gleichzeitig die Modernität anziehen?
Können wir lernen das weiße Feuer der Torah zu lesen? 

Zitat Ende

Ich zähle mich selbst zu dieser dritten Gruppe und frage: Können wir lernen das weiße Feuer der Torah zu lesen? :)

und dies keineswegs nur für Juden , sondern für ALLE Menschen, die es haben wollen

schalom

Aisha
 

 

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