Der Chasid
In der biblischen Sprache bezeichnet der Begriff Chasid einen Menschen, dem man stets vertrauen kann, einen der nicht betrügt und übervorteilt, der barmherzig mit den Mitmenschen verfährt. Ein solcher biblischer Chasid zeichnet sich durch ein besonderes G’ttesvertrauen aus.
Die Gemeinde der Chasidim sind die Getreuen G’ttes, die sich zum G’tteslob im Tempel versammeln.
Ein wesentlich anderes Bild findet man im 2. Jh. VOR der Zeitrechnung in der Phase der seleukidischen Religionsverfolgungen. Zu dieser Zeit begegnet uns eine Gruppe von Menschen, in den griechischen Texten „Asidaioi“ (Chasidim) genannt, die im passiven Widerstand, später auch im aktiven gemeinsam mit den makkabäischen Kämpfern, sich dem seleukidischen Religionsverbot widersetzten.
In der späteren talmudischen Literatur begegenet man wieder einzelnen Chasidim und Kreisen, die nicht als klar umrissene Bewegung oder gar politische Bewegung erscheinen. Schon die Mischna weiß von den früheren Frommen – Chasidim rischonim – die als Einzelne oder unorganisierte Gruppen durch ihre besondere fromme Lebensweise auffielen.
Im Umgang mit ihren Mitmenschen fielen diese Chasidim auf, dass sie auf eigene Rechtsansprüche , etwas ihnen zustehende Geldzahlungen oder sonstige Entschädigungen , verzichteten, die ihnen eigentlich zustanden, genauso wie dies die neutestamentliche Bergpredigt fordert.
(Quelle : Jüdisches Denken, Grözinger, S. 697)