Autor Thema: Warnung vor falschen Kabbalisten  (Gelesen 3466 mal)

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Offline Aisha

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Warnung vor falschen Kabbalisten
« am: Di., 10. März 2009, 10:49 »
Warnung vor falschen Kabbalisten

Teil 1


Schalom,

"Kabbalah" ist heute so ein Modewort in religiösen und esoterischen Strömungen wie "Quanten" in den Naturwissenschaften. 

Umso schwieriger der Sache auf dem Grund zu gehen, was "Kabbalah" im ursprünglichen Sinne wirklich ist?

Dass es im Laufe der Geschichte zu "Falschen Kabbalisten" gekommen ist und weshalb, wo die Irrtümer lagen, das ist religionswissenschaftlich gut genug erforscht.

Hier ein Diskurs:

Hebräischer Theismus im Unterschied zum Pantheismus

Der hebräische Theismus unterscheidet sich von allen pantheistischen Religionen, den antiken und modernen.

Im Pantheismus ist G’tt einer, nicht in dem Sinn, dass es nur einen G’tt gibt, sondern dass
„Nichts außer G’tt existiert“ in dem Sinne, dass die Trennung von Schöpfer und Geschöpfen aufgehoben ist.

Er ist unendlich, nicht in dem Sinne, dass er vollkommen ist, sondern in dem Sinne, dass alles innerhalb G’ttes existiert und alles was passiert, alle Aktivitäten von ihm selbst ausgehen.

Wie Spinoza über den Pantheismus sagte:
"G’tt ist die innewohnende, nicht transzendale Ursache aller Dinge. Deshalb ist G’tt laut Pantheismus kein persönliches Wesen mehr, mit einem Willen und Sinn, sondern eine Realität, die allen Dingen, gut oder böse innewohnt (The Faith of Judaism, Isidore Epstein)."

Weil der Pantheismus G’tt mit dem Universum gleichsetzt, gibt es keinen Unterschied zwischen Atheismus und Pantheismus.

Schoppenhauer nannte den Pantheismus die „noble Form des Atheismus."

Er unterscheidet sich auch nicht vom Polytheismus, denn dort betet man die Natur an, der Pantheismus setzt die Natur mit G’tt gleich.


Dieses Gottesbild hat unweigerlich Auswirkungen auf die Einstellung zur Ethik:

Zitat
Wenn G’tt mit dieser Welt gleichgesetzt wird, dann verschwindet jede Moral und Ethik: Denn laut Pantheismus ist G’tt zugleich gut und böse, sündig und heilig, grausam und barmherzig, gerecht und ungerecht. (The Faith of Judaism, Isidore Epstein).

Das traurige Beispiel von dir Freily  genannt, ist ein aktuelles Beispiel : denn wenn der pantheistische Gott (zu unterscheiden vom wahren G'tt!!!!) dieser Menschen Kinder schändet, weshalb sollten diese Götzenanbeter so etwas wie Verantwortung das Leben zu schützen übernehmen? Sie würden sich doch nach ihrer Auffassung gegen den Willen ihres Gottes stellen 
Das tun aber "treue Anhänger" nicht 

Die Welt wird nur noch als eine Maschine wahrgenommen, die von Ursache-Wirkung- Kräften beherrscht wird. Historisches Beispiel wozu eine solche Ideologie führen kann, denn die Gedanken führen schlussendlich zu Taten, war der Faschismus Nazi-Deutschlands (The Faith of Judaism, Isidore Epstein).

Zitat
Die Versuche eine “chemisch reine Mystik” zu schaffen, unabhängig von jeder Religion, führte zu falschen Strömungen, die vom Pantheismus beeinflusst waren (Gerschom Scholem, Die jüdische Mystik).

Hier sind der Schwindel eines Aleister Crowley (Satansanbeter) oder eines Eliphas Levi (Pseudonym für Alphonse Louis Constant) zu nennen. Wie Evelyn Underhill schon feststellte "waren die Mystiker des Judentums Christentums und Islams, jedoch, wie oft fälschlich angenommen, keineswegs Menschen, die ihre Glaubensform sprengten, sondern durchwegs „getreue Söhne der großen Religionen“ . (ebenda).

Monotheismus, Judentum und jüdische Mystik (=Kabbalah) lehnt all diese pantheistischen Dogmen ab.

Hier ist G’tt beides: immanent und transzendent, nahe und fern. Er ist gut und Gutes tuend.
Das Böse ist die Abwesenheit des göttlichen Lichtes. G’tt ist niemals der direkte Verursacher des Bösen. Es gibt nur EINEN G’tt, dieser ist der Schöpfer und Herrscher des ganzen Universums. Die Aussage der Bibel „es gibt nichts außer ihm“ wird in dem Sinne gedeutet, dass er über alles die Macht hat, selbst über den Bösen, niemals dass er selbst Böse sei, noch es verursache.

Definition Mystik:

Zitat
Die Art von Religion, die auf einer unmittelbar wahrgenommenen Beziehung zu G’tt basiert. Das Erleben g’ttlicher Gegenwart. Ein durch lebendige Erfahrung gewonnenes Wissen von G’tt. Viele Mystiker beziehen sich auf die Worte des Psalmisten (Psalm 34, 9) :
„O schmeckt und seht, dass der Herr gut ist“.

Weshalb kann jedoch Pantheismus zu keiner echten Mystik führen?


In zweierlei Umfeld ist laut Gerschom Scholem Mystik gar nicht möglich:

1. Solange man die Welt selbst als göttlich sieht, von von Göttern , denen man überall begegnet. Das heißt solange die Kluft zwischen dem Menschlichen und G’ttlichen noch gar nicht als eine wirkliche Tatsache erkannt wird, kann Mystik gar nicht entstehen. Der monistische Kosmos widerstrebt der Mystik.

2. In der Phase wo die Religion durchbricht und die Einheit von Mensch, Welt und G’tt aufreißt. Hier wird der Mensch zum Bewusstsein der Zweiheit gebracht, die Kluft zwischen dem ewigen, transzentalen, vollkommenen G’tt und dem sterblichen, irdischen, unvollkommenen Menschen wird offenbar. Der Mensch wendet sich im Gebet an dieses vollkommene, ewige Wesen , um diese Kluft zu überwinden.


Zitat
Hier nun beginnt die Mystik: die romantische Phase der Religion. Der Mensch sucht im vollen Bewusstsein diese Kluft zu überwinden. Diese zerstörte Einheit wiederherzustellen auf einer neuen Ebene. Wobei nun der Unterschied zwischen einer Einheit , die keine Entzweiung kennt (wie der Pantheismus) und eine wiederhergestellte Einheit nach der Entzweiung offenbar wird! (Gerschom Scholem, Die jüdische Mystik).

Dies ist die wahre Aufgabe des Mystikers. 

schalom

Aisha

Ein Zusatz noch:

Laut Pantheismus (und falscher Kabbalah) existiert der Schöpfer nicht unabhängig von seiner Schöpfung . Er braucht diese für seine Existenz.

Laut authentischer Kabbalah existiert der Schöpfer vollkommen unabhängig von seiner Schöpfung.
Er braucht sie nicht für seine Existenz. Er ist ewig , vor aller Schöpfung und das einzige Wesen, das aus sich sebst heraus existiert. 

schalom

Offline Aisha

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Antw:Warnung vor falschen Kabbalisten
« Antwort #1 am: Do., 28. Mai 2009, 11:08 »
Dualismus

Im dualistischen Gedankengut wird konsequent alles getrennt: Himmel und Erde, Seele und Körper und G’tt selbst. Es ist eine Welt der Polaritäten, der Gegensätze, wobei das Ziel nicht die Synthese ist (das Zusammenbringen zu einer Einheit) , sondern die Verneinung des einen Teiles und die Erhaltung des anderen.

Wir werden hier noch anhand originaler Zitate von wahren Kabbalisten beweisen, dass diese ein vollkommen anderes Gedankengut hatten. Ein Gedankengut der Synthese von These und Antithese (ein Zusammenbringen von Gegensätzen) zu einer Harmonie und Vollkommenheit (schlemut).

Doch vorerst ein Exkurs zur Welt des Dualismus:


Materie und Geist werden als getrennte Realitäten gesehen, ohne Beziehung zueinander.

Descartes (Philosoph des 16.Jh.) teilte Realität in res cogitans (Geist) und res extensa (Materie), die in keinerlei Beziehung zueinander stehen. Als Resultat wird die materielle Welt von den Pflanzen, Tieren ..und manchmal bis zum Menschen  als Maschinen gesehen, die unumstößlichen Kausalgesetzen unterliegen.

Man kann nicht oft genug betonen, wie sehr dieses Gedankengut die Weltgemeinschaft beeinflusst hat:

Tiere wurden nicht mehr als lebendige Wesen sondern Maschinen für produktive Zwecke ausgebeutet (Massentierhaltung, Tiertransporte...) Descartes ging ja soweit zu behaupten, das Tier habe keine Seele, könne deshalb gequält werden und die Schreie der gequälten Kreatur seien nur „Illusion“ und deshalb nicht beunruhigend.

Die Schöpfung wurde ausgebeutet und systematisch vernichtet, als reine Ware, denn es wurde ihr keine Ehre , sondern nur Niedrigkeit zuerkannt.

Doch auch der Mensch war von dieser Geisteshaltung nicht verschont. In diversen Rassenideologien wurde einzelnen „Rassen“ wie den Indianern das Menschsein überhaupt abgesprochen und man durfte sie gewissenlos wie Tiere töten. Zu erwähnen die Todesfabriken der Nazis, die jede Achtung vor dem Leben verloren hatten (welche geistigen Einflüsse hier eine Rolle spielten, auf das werde ich noch ganz speziell anhand der modernen Forschung zurückkommen).

Im Gegensatz dazu haben die jüdischen Mystiker (Kabbalisten) , jedoch auch die christlichen, ein vollkommen anderes Weltbild:


Hier ist das Bewusstsein, der Geist, die einzige Realität. Von der Wellenfunktion der Quantenwelt, den Atomen bis zur dichtesten Materie ist alles derselbe Stoff! Alles ist ein fließendes Kontinuum. Als G’ttes Schöpfung , die von seinem Geist durchdrungen ist, wird jedem einzelnen Ding (auch dieses wird nicht als unbelebt gesehen) und Lebewesen tiefe Erfurcht entgegengebracht. Es muss gehütet und erhalten werden! Die Erhaltung des Lebens steht über jedem anderen Gebot!!!

Doch weiter zur dualistischen Gottesvorstellung. Ich wiederhole aus meinem vorherigen Diskurs:

„Im 12. Jh. war in Südfrankreich die sogenannte christliche Katharerbewegung die vorherrschende.
Diese vertrat ein streng dualistisches Welt und Gottesbild.

So wurde alles irdische/physische/materielle als "böse", "niedrig" usw. dem "guten, geistigen, reinen" gegenübergestellt.

Dies ging soweit, dass die irdische Schöpfung inklusive der Leib des Menschen dem Satan zugeschrieben wurde. Das ganze sogenannte "Alte Testament" (die hebräische Bibel) und die Torah (die Lehre G'ttes) wurde dem Satan (dem Bösen) zugeschrieben. Im sogenannten "Neuen Testament" (den griechisch christlichen Schriften) sahen sie allein den "guten Gott".“

Diese Bewegung war ein nur eine Wiederbelebung , historisch gesehen sind diese gnostischen Strömungen Marcion, einem Römer des 2. Jh. N.Chr. zuzuschreiben. Neugnostische Strömungen wie die von dir erwähnten Rosenkreuzer haben ein dualistisches Gottesbild, Menschen und Weltbild . Nur ein Beispiel aus ihren Quellen: „Der Gott des Alten Testaments ist ein absoluter Naturgott, ein Demiurg, und steht dem des Neuen Testamentes diametral gegenüber.“ (UG 63 „Die universelle Gnosis“)

Nicht so der rechte Mystiker (Kabbalist):

Gerschom Scholem:

„Der Mystiker such den lebendigen Gott der Bibel reell zu haben, jener Gott, der gut, weise, gerecht und voll Erbarmen ist und alle anderen positiven Attribute besitzt. Zugleich aber will er doch nicht auf jenen verborgenen Gott verzichten, der ewig unergründlich in den Tiefen seines Wesens ruht (...) (Die jüdische Mystik, S. 14). „


Wenn auch die mystische Spekulationen an die Grenze ging den Ursprung des Bösen in Gott selbst zu suchen, so meinte man damit die Strenge Gottes und das Gericht. Konsequent blieben jedoch der verborgene Gott und der lebendige Gott der religiösen Erfahrung EINER.

„Die Kabbalisten sind ja keine Dualisten. Wenn auch historisch gesehen, ihr Denken Konnektion mit dem der Gnostiker hat, für die der verborgene Gott und der Schöpfergott geradezu Gegensätze bildeten, so war doch alle Energie der orthodoxen kabbalistischen Spekulation darauf gerichtet, gerade diesen dualistischen Konsequenzen auszuweichen. Sonst hätten sie sich ja auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft nicht halten können.“ (Die jüdische Mystik, S.15).


Fortsetzung folgt

schalom

Aisha

Offline Aisha

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Antw:Warnung vor falschen Kabbalisten
« Antwort #2 am: Fr., 29. Mai 2009, 12:39 »
Schalom,

Begriff Kabbalah:

Gerschom Scholem:
„Kabbala bedeutet wörtlich: Tradition:
Es ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die schon erwähnte Paradoxie im religiösen
Bewusstsein der Mystiker, dass hier also gerade diejenige Lehre, die den unmittelbaren persönlichen Kontakt mit G’tt zum Gegenstande hat, also ein scheinbar ganz persönliches und intimes Wissen, eben gerade als überliefertes Wissen verstanden wird.“


Im Laufe der Geschichte haben sich Leute von der Wurzel getrennt und die kabbalistischen Bücher, die ihnen in die Hände gefallen waren , auf andere Ideologien übertragen.

schabbat schalom




Offline Aisha

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Antw:Warnung vor falschen Kabbalisten
« Antwort #3 am: Fr., 07. August 2009, 11:23 »
Die Erklärung ist von Rav Kook , zweifellos einem KABBALISTEN.

Wegen Zeitmangel auf Englisch mit einer nur kurzen deutschen Sinnwiedergabe:

   
Zitat
Rav Kook has a pamphlet - "Ikvei HaTzon." In this collection of articles there is an article entitled "Da'at Elokim." Here Rav Kook discusses a metaphysical paradigm diametrically opposed to that of Transcendental Monotheism: Pantheism - an approach associated with Baruch Spinoza in the seventeenth century. Pantheism has as its central dogma "Deus sive natura" - God is nature.

    Against this, Rav Kook claims that if God is identified with existence, reality itself becomes divine. Superficially, this does not appear problematic; indeed Spinoza seems to be very religious - he has succeeded in sanctifying all of the profane! In reality, though, he has desecrated the holy and the idea becomes a farce. As soon as one enters this mindset, the God idea loses all its significance. If everything is holy, nothing is. When God is not to an extent removed from mundane reality, where there is no ontological ladder for Man to climb, there is no spiritual challenge and there can be no spiritual growth. If the spiritual hierarchy is deleted, religion is null and the God idea worthless. Judaism cannot accept such a concept of God.


Rav Kook schreibt in Daat Elokim (Die Erkenntnis G'ttes) gegen ein metaphysisches Paradigma , das dem Transzendenten Monotheismus [Anmerkung: wie es die authentische Kabbalah vertritt] diametral widerspricht: dem Pantheismus, den auch Baruch Spinoza im 17.Jh. vertrat.

Das zentrale Dogma des Patheismus ist: G'tt ist die Natur.

Rav Kook sagt dazu, wenn man G'tt mit der Existenz identifiziert, wird die Wirklichkeit selbst g'ttlich. Oberflächlich gesehen, erscheint dies nicht problematisch; Spinoza schien sehr religiös zu sein- er wollte alles Profane heiligen. In Wirklichkeit jedoch, hat er den Heiligen entheiligt ....
Wenn jemand dieses Gedankengut vertritt , verliert jede Vorstellung von einem G'tt ihre Bedeutung. Wenn alles heilig ist, ist es nichts wirklich. Wenn G'tt von der einfachen Wirklichkeit nicht entfernt ist, dann gibt es auch keine Leiter , die der Mensch erklimmen kann..Es gibt keine spirituelle Herausforderung und kein spirituelles Wachstum. Wenn die spirituelle Hierarchie gelöscht wird, ist Religion Null und eine Idee von G'tt (dass es einen G'tt gibt) wertlos. Judentum kann so ein Konzept von G'tt nicht akzeptieren.


(Quelle: Rav Kook, Daat Elokim, http://www.vbm-torah.org/archive/rk17-kook.htm

schalom

 

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