Autor Thema: Die Partner  (Gelesen 2308 mal)

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Offline freily

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Die Partner
« am: So., 25. Oktober 2015, 10:00 »
Schalom ABA,

ich habe mir mal wieder alte Themen zu Gemüte geführt, denn des Menschen Gehirn ist der Vergeßlichkeit und Verdrehtheit unterlegen.
Und da fiel mir der folgende Satz von Dir hier auf, den die Aisha am 12-10-2009, 16:41 h rezitierte.
Ich zitiere es mal frei, da mich mal wieder die Vergeßlichkeit plagt:

Zitat
...und der (Luther) hatte zu mindest den Melanchthon an seiner Seite.
Da bin ich aber froh, daß ich den ABA an meiner Seite habe.  8) :D
Einen Wissenden der alten Sprachen in Iwrit und griechisch.!

Herzlich gegrüßt
Wer den richtigen Weg nicht sucht, ihn auch nicht findet.
freily©

Offline ABA זאב ברנובסקי

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Re: Die Partner
« Antwort #1 am: So., 25. Oktober 2015, 19:19 »
Schalom Freily,
ja - da können wir mal wieder nachfassen, wenn du schreibst:

Zitat von: Freily
Zitat
...und der (Luther) hatte zu mindest den Melanchthon an seiner Seite.
Da bin ich aber froh, daß ich den ABA an meiner Seite habe.  8) :D
Einen Wissenden der alten Sprachen in Iwrit und griechisch.!

Also lieber Freily,
... Dr. Luther war sprachwissenschaftlich gegenüber dem hochbegabten Philipp Melanchthon ein Stümper. Die allgemeine Kenntnis in der katholischen Kirche über >Latein< brauchen wir hier nicht zu betonen, denn es ist vergleichsweise genauso, wie die heutige "allgemeine  Englischkenntnis". Beim Hebräischen allerdings, schieden sich die Geister der Reformatoren. Es war ja die Sprache der Gottesmörder.
Melanchthon, als der weitaus gebildete, belegte für seine Magisterprüfung in Tübingen die Fächer: Astronomie, Musik, Arithmetik und Geometrie. Nur zusätzlich beschäftigte er sich mit Griechisch, Hebräisch und Latein als Nebenfach. Dennoch begeisterte der reformatorische Gedanke Luthers den Gelehrten Melanchthon und er schloss sich der Bewegung der Reformation an. Von da ab übernahm Luthers Einfluss das ganze Leben von Melanchthon. Sei es seine Promovierung zum Baccalaureus, oder gar die Auswahl seiner Ehefrau Katharina Krapp, war das Werk von Luthers Einfluss.
Am Anfang seiner Wittenberger Professur musste Melanchthon neben seinem eigenen Lehrstuhl auch noch den Lehrstuhl für Hebräisch vertreten, wofür er bereits seinen eigenen hebräischen Bibeltext benutzte. Für Melanchthon enthielt das Alte Testament Gottes Offenbarung als Gesetz und Evangelium. Jedoch der Christ sollte mit dem "Neuen Testament" tiefer verbunden sein.
Etwas anders sah es in Melanchthons Umgang mit zeitgenössischen Juden aus. Über sie urteilte er theologisch eindeutig, sie seien nicht Gottes Kirche und verfälschten, wie Katholiken, Täufer, Spiritualisten, Muslime usw., die Bibel.
Die jüdische Mystik (Kabbala) war in ihrer Semantik Melanchthon fremd, obwohl er durchaus die Kabbala positiv beurteilen konnte. Seine rhetorischen Vorbilder waren eher Cicero, Terenz oder Livius. Reuchlins (Großonkel von Melanchthon) Kommentar zur Kabbala war ihm wahrscheinlich zu rätselhaft. Trotzdem praktizierte Melanchthon eine für die Reformationszeit auffällige Toleranz: Er gehört zu den wenigen Menschen des 16. Jahrhunderts, die gegen Judenverfolgungen waren.

... doch nochmal weiteres zu Luthers Hebräischkenntnisse:
Dr. Luthers Kenntnisse waren nie so vollkommen, dass er die Übersetzungsarbeit ohne fremde Hilfe hätte bewerkstelligen oder gar eigenständig hebräische Schriften hätte lesen können. Als ihm 1525 ein hebräisches Buch mit der Bitte zugesandt wurde, eine Inhaltsangabe zu erstellen, bekannte er, hierzu nicht in der Lage zu sein.
Trotz allem müssen wir dem Antijudaisten Dr. Luther eines lassen, in seiner hebräischen Sprachkenntnis (gegenüber seinem Latinum) war er wirklich ehrlich und betonte in seinen "Tischreden":
Zitat
Die ebräische Sprache ist die allerbeste und reichste in Worten, und rein, bettelt nicht, hat ihre eigene Farbe. ...wenn ich jünger wäre, so wollte ich diese Sprache lernen, denn ohne sie kann man die h. Schrift nimmermehr recht verstehen. Denn das neue Testament, obs wol griechisch geschrieben ist, doch ist es voll von Ebraismis und ebräischer Art zu reden. Darum haben sie recht gesagt: Die Ebräer trinken aus der Bornquelle; die Griechen aber aus den Wässerlein, die aus der Quelle fließen; die Lateinischen aber aus der Pfützen.

Damit, lieber Freily, ist wohl vieles gesagt und geschrieben was über Luther und Melanchthon Seite an Seite zu erwähnen wäre!

           


Schalom ABA
GRUNDSATZ der kritischen Vernunft :
Wer wirklich an der Wahrheit Interesse hat, wird so verfahren,
dass er gerade Auffassungen, die er für besonders wichtig hält,
am schärfsten der kritischen Prüfung aussetzt !!!

Offline freily

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Re: Die Partner
« Antwort #2 am: Do., 28. März 2019, 08:25 »

... doch nochmal weiteres zu Luthers Hebräischkenntnisse:
Dr. Luthers Kenntnisse waren nie so vollkommen, dass er die Übersetzungsarbeit ohne fremde Hilfe hätte bewerkstelligen oder gar eigenständig hebräische Schriften hätte lesen können. Als ihm 1525 ein hebräisches Buch mit der Bitte zugesandt wurde, eine Inhaltsangabe zu erstellen, bekannte er, hierzu nicht in der Lage zu sein.
Trotz allem müssen wir dem Antijudaisten Dr. Luther eines lassen, in seiner hebräischen Sprachkenntnis (gegenüber seinem Latinum) war er wirklich ehrlich und betonte in seinen "Tischreden":
Zitat
Die ebräische Sprache ist die allerbeste und reichste in Worten, und rein, bettelt nicht, hat ihre eigene Farbe. ...wenn ich jünger wäre, so wollte ich diese Sprache lernen, denn ohne sie kann man die h. Schrift nimmermehr recht verstehen. Denn das neue Testament, obs wol griechisch geschrieben ist, doch ist es voll von Ebraismis und ebräischer Art zu reden. Darum haben sie recht gesagt: Die Ebräer trinken aus der Bornquelle; die Griechen aber aus den Wässerlein, die aus der Quelle fließen; die Lateinischen aber aus der Pfützen.

Damit, lieber Freily, ist wohl vieles gesagt und geschrieben was über Luther und Melanchthon Seite an Seite zu erwähnen wäre!
Schalom ABA
Schalom ABA,
wenn ich nach vier Jahren diese Beiträge nochmals lese, dann komme ich zu dem Schluß, daß uns der EWIGE reich gesegnet hat, auch wenn es mir an weltlichen Gütern manchmal mangelt,so ist die Freude über das Erkennen dennoch ungetrübt.

In einem Satz gebe ich dem Luther recht: Wenn ich noch um Jahrzehnte jünger wäre, dann würde auch ich das Ivrit erlernen.
Aber so begnüge ich mich mit dem erreichten, das mehr ist, als ich je ahnen konnte.

Der Luther ist das typische Beispiel von "Gelehrten", die eine Erkenntnis bekamen, aber nicht daraus die Konsequenz zogen, den Weg des EWIGEN zu beschreiten, statt dessen verfluchte er lieber die Brüder seines Herrn!.
Wer den richtigen Weg nicht sucht, ihn auch nicht findet.
freily©

 

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